Therapieform mit deutlich erhöhterKörpertemperatur

Hyperthermie - Tagesklinik

für IntegrierteTumortherapie

Bochum.

In Bochum arbeiten unter der Leitung von Dr. Arno Meyer Anästhesisten und Onkologen gemeinsam zum Wohle von Tumorpatienten, die mit konventionellen Methoden austherapiert sind. Das Team hat 1994 die erste Anlage für Ganzkörper-Extremhyperthermie des Ruhrgebietes in Betrieb genommen und arbeitet seitdem in unveränderter Zusammensetzung.

Ärztliche Kunst ist, die Natur zu beobachten, aus ihr zu lernen und zum Wohle der Patienten anzuwenden."

Parmenides erkannte bereits 500 Jahre vor Christus, daß Fieber heilen kann. Hippokrates beobachtete etwa 100 Jahre später die Heilung von Geisteskrankheiten durch Fieber. Anfang des 20. Jahrhunderts gelang es Wagner-Jauregg, unheilbar Syphiliserkrankte durch eingeimpfte Malaria, also künstliches Fieber, mit Chinin zu heilen. In den sechzigerJahren wurden intensive physikalische Versuche mit passiver (exogener) Überwärmung von Gewebe unternommen (von Ardenne, Levin).

Die Bochumer Ärzte wenden heute eine obligate Kombination von Infrarot-Ganzkörper-Erwärmung mit Chemotherapie, beziehungsweise Strahlentherapie - unter Berücksichtigung der aktuellen wissenschaftlichen Forschung an. Gesichert tritt eine direkte Hitze- schädigung von Tumorzellen erst bei Temperaturen oberhalb von 42 Grad Celsius über wenigstens 45 Minuten Dauer ein. Mitentscheidend ist aber das Zusammenwirken mit der gleichzeitigen Einmaldosis Chemotherapie, die unter Extremhyperthermie und im künstlich erhöhten sauren Milieu eine zusätzliche Wirkungsverstärkung erfährt.

KÖRPERKERN - TEMPERATUREN

ÜBER 42 GRAD

Solche Körperkern-Temperaturen über 42 Grad Celsius sind zwar nur mit einem narkoseähnlichen Schlaf erreichbar, der andererseits aber auch den Vorteil bietet, daß die unangenehmsten Stunden der - fast allen Patienten bekannten - Chemotherapie diesmal verschlafen werden. Bei maximaler apparativer Überwachung atmet der Patient die ganze Zeit frei ohne Beatmungsschlauch; Kreislauf und körpereigene Abwehr stützt eine konzentrierte Sauerstoffgabe.

Die integrierte Tumortherapie wird in Bochum als Thermo-Chemotherapie durchgeführt. Nach ausführlicher Aufarbeitung der Vorgeschichte, gründlicher Voruntersuchung und Beratung mit Integration des Hausarztes wird eine Marschroute festgelegt und dann in Anlehnung an die klassische systematische Krebs- Mehrschritt-Therapie (SKMT) fortgefahren. Gegebenenfalls ist eine das Immunsystem stärkende Vorbehandlung nötig, die entweder ambulant oder auch bequem zu Hause vom Patienten durchgeführt werden kann.

Der Patient bleibt

über Nacht

Im Rahmen der Hauptbehandlung bleibt der einzelne Patient über Nacht in der Tagesklinik und wird in Bochum bis zur Entlassung am Folgetag ununter- brochen von zwei Ärzten betreut.

Eine eingehende Nachuntersuchung und -Behandlung begleiten den Patienten noch vier bis sechs Tage ambulant. Kontrollen im Rahmen der Tumorerkrankung werden in regelmäßigen Abständen, gegebenenfalls am Heimatort, durchgeführt. Patient und Arzt bleiben in dieser Zeit in Kontakt. Therapien dieser eingreifenden Art können auch Nebenwirkungen haben. In unter 5% aller Fälle erscheinen einzelne sonnenbrandähnliche Bläschen. Abgeschlagenheit und eine Nachfieberphase werden beobachtet. Übelkeit oder Erbrechen sind selten und gut beherrschbar.

In einem kleinen beständigen und damit erfahrenen, hochmotivierten Ärzteteam werden die Möglichkeiten des jeweiligen Einzelfalles maximal ausgereizt. Daß das nicht mit einem erhöhten Risiko gleichbedeutend ist, drückt sich allein schon darin aus, daß 95% aller seit 1994 behandelten Patienten anderentags die Klinik verlassen konnten. Die Entlassung nach Hause oder in ein Hotel birgt keine Risiken. Die medizinische Notwendigkeit von bzw. der persönliche Wunsch nach stationärer Behandlung kann jederzeit erfüllt werden. Die Frage einer Wiederholungstherapie wird individuell geklärt und wurde in der Vergangenheit mit einem Abstand von minimal sechs Wochen und maximal einem Jahr durchgeführt. Die Zwischenzeit konnten die Patienten mit optimaler Lebensqualität gestalten. Dort, wo herkömmliche Verfahren nicht oder nicht mehr wirken, ist obiges Verfahren für viele Erkrankte noch ein Lichtblick.

Bei Fragen kann man sich an folgende Adresse wenden:

Dr. Arno Meyer,

City Point, 44787 Bochum,

Telefon 02 34/6 44 00.

Die integrierte Tumortherapie gehört noch nicht zu den vertraglich anerkannten Therapieverfahren. Konventionell austherapierte Patienten können sich aber begründete Hoffnung auf spätere Erstattung der Kosten machen, auch wenn die Krankenkasse vorweg zunächst abgelehnt hat. Privatpatienten haben es - wie in letzter Zeit immer öfter - etwas besser.

zurück zu den Berichten